Frey, James N.: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt II
Lange Zeit vergriffen - inzwischen wieder lieferbar: Der zweite Band von James N. Freys Ratgeber für angehende Autoren.
Ich bin auch eine von denen, die bekichert und als leicht bescheuert abgetan werden: EineAutorin Schreibsüchtige. Jedenfalls, wenn ich es zugebe - was ich keineswegs überall tue.
Nach einem recht unsortierten Versuch, DEN Fantasy-Mehrteiler nach Tolkien zu schreiben, war es an der Zeit, mich mal mit einschlägiger Fachliteratur zu befassen. Nur: Mit welcher?
Zufällig geriet ich auf eine Seite für Kurzgeschichtenschreiber, auf der die Fahne für Sol Stein geschwungen wurde. Nein, ich weiß - von ihm ist hier nicht die Rede. Ohne ihn hätte ich aber James nicht gefunden.
Die Kurzgeschichtenkommentare überschlugen sich mitSol-Stein-hätte-aber-Beanstandungen klugen Betrachtungen darüber, wie Sol Stein die Geschichte hätte geschrieben sehen wollen. Also wollte ich es auch wissen und schlug nach bei amazon. Dass Sol Stein über den Verlag Zweitausendeins verkauft wird, war mir im Eifer des Gefechts entgangen. Fündig wurde ich so oder so - und zum Glück hatte ich mir dann die beiden Bücher von Frey gleichzeitig bestellt. Zum Glück, weil Band 2 binnen Jahresfrist nicht mehr lieferbar war.
Nun also Band 2: Anleitungen zum spannenden Erzählen für Fortgeschrittene.
Die äußere Aufmachung ähnelt Band 1, allerdings wurde auf die Spiegelung des Titels und den breiten grauen Unterrand verzichtet. Die schreibende Hand als Markenzeichen hebt sich von dem schlichten gelben Hintergrund ab, auch die Schrifttypen variieren. Der Einband verspricht Sachlichkeit, die das Buch hält (wenn man von den gelegentlichen Abschweifungen des Autors geht, sobald es seine Lieblingsfeindbilder betrifft).
EINLEITUNG
Einleitungen soll man nach herrschender Lehre (und Leserwillen) so gestalten, dass sie den Leser gleich in den Text ziehen. Was lässt der Anfang "Warum dieses Buch nicht das richtige für Sie sein könnte" da zu wünschen übrig?
Frey sagt ganz klar, dass das Buch Grundwissen voraussetzt und erteilt Pseudoregeln eine wortreiche Absage. Ein ganz kleines bisschen bissig macht der Autor deutlich, was er von den "Regeln" der "Creative-Writing"-Schulen hält. Die in dem Ratgeber behandelten Prinzipien gelten ausschließlich für Romane, die auf Spannung ausgerichtet sind. Wer also experimentell, postmodern oder wie auch immer schreiben lernen möchte, solle lieber dafür in Frage kommende Ratgeber aufsuchen. Anm. d. Red.: Oder den Griffel verschenken. Ich lese das garantiert nicht.
Man weiß also gleich nach den ersten Seiten, worum es Frey geht. Zu hoffen ist nur, dass der angehende Experimentalschreiber diese Einleitung dann auch schon vor dem Kauf liest und sich auf Wunsch die Ausgabe sparen kann.
1. Der fiktive Traum und wie man ihn herbeiführt
- Träumen ist nicht gleich schlafen
Romanschreiben ist eine Dienstleistung. Was also erwartet der Leser von Ihnen? Seine Erwartungshaltung ist ausschlaggebend für das Werk, das geschrieben werden soll - und die Fähigkeit, den Leser hypnotisch in die Autorenwelt hinzuziehen. Show, don't tell - lass den Leser teilhaben an den Düften, Farben. Oder anders: Details, Details, Details - ohne sich im Detail zu verlieren.
- Sympathie und Mitgefühl
Ist der Leser in die Bilder eingestiegen, muss der Autor ihn dazu bringen, mit den Figuren zu lieben, lachen, weinen oder verzweifeln. Der Begriff der "Sympathie" wird dabei erweitert: Auch eine Figur, die im tatsächlichen Leben eigentlich nur ein Scheusal wäre, kann beim Leser Sympathie auslösen - wenn er Mitleid mit ihr hat. Wie große Autoren dieses Problem lösten, wird beispielhaft an Figuren der Literatur aufgezeigt - u.a. an Molly Flanders und Scarlett O'Hara
- Identifikation
Wann identifiziert sich der Leser mit den Figuren? Wenn er wünscht, dass sie ihre Ziele erreichen.
Und wie identifiziert der Leser sich mit einem Schurken? Dazu gibt es ein wunderbares Beispiel: Der Pate von M. Puzo.
- Empathie
Nutzen Sie die Kraft ihrer Suggestion, damit der Leser die Gefühle der Figuren an und in sich selbst spürt.
- Der letzte Schritt: Den Leser mitreißen
Eine verblüffende Überschrift, handelte doch das gesamte Kapitel von nichts anderem. Frey gibt noch weitere Beispiele der Literatur.
2. Alles über Spannung: Oder reich mal den Senf, sonst kau ich mir sämtliche Fingernägel ab
- Definition von Spannung
Frey bietet verschiedene Definitionen anderer Autoren und verschiedener Nachschlagewerk zum Stichwort "Spannung" an und spricht über die "Köder", mit denen Autoren am Anfang einer Geschichte den Leser einfangen. Das Ganze unter Darbietung sehr guter Hooks - und zu meiner großen Freude auch etlicher Patzer.
- Die Zündschnur in Brand setzen
Anhand von Beispielen aus Actionfilmen erklärt Frey, wie man spannende - ach was: atemberaubende - Szenen gestalten kann.
3. Von Schwächlingen und Verrückten: Unvergessliche Figuren schaffen
- Schwächlinge
Eigentlich handelt es sich gar nicht um Figuren, die wir als "schwach" bezeichnen würden (im psychodingendsda Sinn). Sondern um "blockierte" Figuren, die eine Geschichte nicht vorantreiben können. Entweder weil sie sich nicht entscheiden (können) oder auch aus äußeren Gründen gehindert / gehandikapt sind. Es sind also keine dynamischen, entwicklungsfähigen Figuren, sondern Schema-Fs.
- Figuren, die es kennenzulernen lohnt
Schon in Band I riet Frey, sich für die Figuren Biografien anzulegen (was ich ebenfalls nur empfehlen kann, selbst wenn die Geschichte noch so kurz ist). Hier finden Sie die Punkte, die Ihre Charaktere unvergesslich machen können. Beispielhaft seien erwähnt: ein verrückter Spleen, ein ausgefallener Beruf, Vermeidung von Klischees. Und Recherche, Recherche, Recherche.
- Figuren und Kompetenz
Mein Lieblingsbeispiel in diesem Abschnitt:
"Carries Mutter, in Stephen Kings Carrie, brilliert als religiöse Fanatikerin."
Eine Figur muss das, was sie nach dem Willen des Autors tun soll, hervorragen machen. Im Zweifel eben als Fanatikerin.
- Der verrückte Touch
Leser lieben die verrückten, übertriebenen, extravaganten Typen. Wenn ich sage: Scarlett O'Hara und Rhett Butler ... alles klar?
- Figuren im Kontrast zur Umgebung
Beispiel (meins, weicht also vom Buch ab): "Crocodile Dundee". Die Story bringt auf den Punkt, was Frey meint.
- Die beherrschenden Leidenschaften
Hier geht es um die zentrale Triebkraft: Der Wille, reich zu werden. Der Wille (s.o.), Gott in aller Hingabe zu dienen (sorry, aber ich bin absoluter Carrie-Fan, wenn ich das an dieser Stelle einmal einfließen lassen darf).
- Gespaltene Figuren
Ein kurzer Ausflug in die Transaktionsanalyse von Berne und Harris - und mit ein bisschen Übung entsteht ein Hannibal Lector.
4. Prämissen für Fortgeschrittene.
Es heißt, eine Prämisse ist der Satz, in den sich eine Geschichte / ein Roman zusammenfassen lässt. Also mit Freys Worten: Die Hauptaussage oder das Fazit der Geschichte. Bei einer Übung zur Prämisse an anderem Ort habe ich aber feststellen müssen, dass es vielen Schreibern und Kommentatoren genau so geht, wie mir: Die Schlussfolgerung muss nicht zwingend die sein, die der Autor im Sinn hatte.
Wenn ich mich an das vorgegebene Beispiel "Samson und Delilah" halte, kann ich durchaus zu dem Fazit gelangen: Sich mit einer Frau einzulassen, führt zum Tod.
Damit wäre die kausale Kette, die konsequent zum Ende aufbaut, genau so gut benannt, wie mit:
Reue führt zum glorreichen Tod (also, ich würde nie eine Geschichte unter einer solchen Prämisse schreiben - traue mir aber trotzdem zu, mir einen Samson auszudenken)
(Was Frey zu dieser Prämisse letztendlich sagt, bitte ich dort nachzulesen, sonst nehme ich ja die ganze Spannung vorweg)
Vielleicht einigen wir uns darauf: Der Autor sollte in der Lage sein, seine eigene Geschichte in einem kurzen Satz wiederzugeben und es ansonsten dem Leser überlassen, welche Schlussfolgerungen er selbst aus dem Gelesenen ziehen möchte oder kann.
Das Kapitel ist auf jeden Fall interessant zu lesen.
Das gleiche gilt für:
5. Prämissen für Fortgeschrittene
Hier finden sich auch die Romane mit mehreren Prämissen. (bei Romanen mit mehreren Hauptdarstellern)
6. Über Stimmen, oder das "wer", das die Geschichte erzählt
Die Erzählstimme richtet sich auch nach dem gewählten Genre: Ein Sachbuch - über sagen wir mal: Den Aufbau der Justiz in den neuen Bundesländen - werden Sie sicherlich weit weniger emotional, detailreich und lebendig formulieren als zum Beispiel die Geschichte eines Stadtstreichers, der gerade einem kleinen Kind das Leben gerettet hat (Beispiele von mir).
Sie sollen dem Leser vermitteln: Der Erzähler dieser Geschichte weiß ganz genau, wovon er oder sie spricht. (Als Top-Beispiel wieder der Einstieg in "Vom Winde verweht").
Im Grunde handelt es sich bei der starken Erzählstimme um nichts anderes, als die Wahl der richtigen Perspektive (also der Figur, aus deren Sicht alles oder jeweils ein Teil betrachtet und erzählt wird).
Ein starkes Kapitel, dass sich auch mit den Schwächen (und Stärken) der "allmächtigen" Erzählweise beschäftigt , dem satirischen Ton, der gefühlvollen Schilderung oder dem beiläufigen Plauderton.
- Pseudoregeln über die erste und die dritte Person und andere Mythen
Wie anfangs schon erwähnt, hat Frey mit den Lehrern des US-amerikanischen Creativ-Writing ein paar Hühner zu rupfen. Hier fliegen die Federn.
- Das Muskelspiel des Autors: Entwickeln Sie Ihre Stimme
Frey rät, seine Texte in verschiedenen Erzählstimmen zu schreiben und die stärkste herauszusuchen. Der Wechsel in die Ich-Stimme muss keineswegs stärker sein, als die Sicht der "3. Person".
7. Der Vertrag zwischen Autor und Leser oder versprechen Sie keine Schlüsselblume und liefern dann nur eine saure Gurke
Zwischen Autor und Leser besteht quasi ein Vertragsverhältnis: Der Autor bietet ein Produkt, das der Leser nach den ihm gegebenen Orientierungshilfen erwirbt. Er will also exakt das haben, was er gesehen und bezahlt hat. Kurz gesagt: Wenn der Leser einen Krimi kauft, will er keine Lovestory aus dem Lore-Roman.
8. Die Sieben Todsünden
Was ein Autor alles anstellen kann, um garantiert niemals in den Genuss einer Veröffentlichung zu kommen.
Ich bekenne mich zu Nr. 7. Wer wissen will, welche das ist, lese das Buch ...
9. Schreiben mit Leidenschaft
Warum der Autor am Ende doch noch eine Erfolgsgarantie gibt.
Der Autor:
James N. Frey ist lt. Klappentext Band 2 Autor von neun Romanen und unterrichtet nach wie vor kreatives Schreiben an der University of California.
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Ich bin auch eine von denen, die bekichert und als leicht bescheuert abgetan werden: Eine
Nach einem recht unsortierten Versuch, DEN Fantasy-Mehrteiler nach Tolkien zu schreiben, war es an der Zeit, mich mal mit einschlägiger Fachliteratur zu befassen. Nur: Mit welcher?
Zufällig geriet ich auf eine Seite für Kurzgeschichtenschreiber, auf der die Fahne für Sol Stein geschwungen wurde. Nein, ich weiß - von ihm ist hier nicht die Rede. Ohne ihn hätte ich aber James nicht gefunden.
Die Kurzgeschichtenkommentare überschlugen sich mit
Nun also Band 2: Anleitungen zum spannenden Erzählen für Fortgeschrittene.
Die äußere Aufmachung ähnelt Band 1, allerdings wurde auf die Spiegelung des Titels und den breiten grauen Unterrand verzichtet. Die schreibende Hand als Markenzeichen hebt sich von dem schlichten gelben Hintergrund ab, auch die Schrifttypen variieren. Der Einband verspricht Sachlichkeit, die das Buch hält (wenn man von den gelegentlichen Abschweifungen des Autors geht, sobald es seine Lieblingsfeindbilder betrifft).
EINLEITUNG
Einleitungen soll man nach herrschender Lehre (und Leserwillen) so gestalten, dass sie den Leser gleich in den Text ziehen. Was lässt der Anfang "Warum dieses Buch nicht das richtige für Sie sein könnte" da zu wünschen übrig?
Frey sagt ganz klar, dass das Buch Grundwissen voraussetzt und erteilt Pseudoregeln eine wortreiche Absage. Ein ganz kleines bisschen bissig macht der Autor deutlich, was er von den "Regeln" der "Creative-Writing"-Schulen hält. Die in dem Ratgeber behandelten Prinzipien gelten ausschließlich für Romane, die auf Spannung ausgerichtet sind. Wer also experimentell, postmodern oder wie auch immer schreiben lernen möchte, solle lieber dafür in Frage kommende Ratgeber aufsuchen. Anm. d. Red.: Oder den Griffel verschenken. Ich lese das garantiert nicht.
Man weiß also gleich nach den ersten Seiten, worum es Frey geht. Zu hoffen ist nur, dass der angehende Experimentalschreiber diese Einleitung dann auch schon vor dem Kauf liest und sich auf Wunsch die Ausgabe sparen kann.
1. Der fiktive Traum und wie man ihn herbeiführt
- Träumen ist nicht gleich schlafen
Romanschreiben ist eine Dienstleistung. Was also erwartet der Leser von Ihnen? Seine Erwartungshaltung ist ausschlaggebend für das Werk, das geschrieben werden soll - und die Fähigkeit, den Leser hypnotisch in die Autorenwelt hinzuziehen. Show, don't tell - lass den Leser teilhaben an den Düften, Farben. Oder anders: Details, Details, Details - ohne sich im Detail zu verlieren.
- Sympathie und Mitgefühl
Ist der Leser in die Bilder eingestiegen, muss der Autor ihn dazu bringen, mit den Figuren zu lieben, lachen, weinen oder verzweifeln. Der Begriff der "Sympathie" wird dabei erweitert: Auch eine Figur, die im tatsächlichen Leben eigentlich nur ein Scheusal wäre, kann beim Leser Sympathie auslösen - wenn er Mitleid mit ihr hat. Wie große Autoren dieses Problem lösten, wird beispielhaft an Figuren der Literatur aufgezeigt - u.a. an Molly Flanders und Scarlett O'Hara
- Identifikation
Wann identifiziert sich der Leser mit den Figuren? Wenn er wünscht, dass sie ihre Ziele erreichen.
Und wie identifiziert der Leser sich mit einem Schurken? Dazu gibt es ein wunderbares Beispiel: Der Pate von M. Puzo.
- Empathie
Nutzen Sie die Kraft ihrer Suggestion, damit der Leser die Gefühle der Figuren an und in sich selbst spürt.
- Der letzte Schritt: Den Leser mitreißen
Eine verblüffende Überschrift, handelte doch das gesamte Kapitel von nichts anderem. Frey gibt noch weitere Beispiele der Literatur.
2. Alles über Spannung: Oder reich mal den Senf, sonst kau ich mir sämtliche Fingernägel ab
- Definition von Spannung
Frey bietet verschiedene Definitionen anderer Autoren und verschiedener Nachschlagewerk zum Stichwort "Spannung" an und spricht über die "Köder", mit denen Autoren am Anfang einer Geschichte den Leser einfangen. Das Ganze unter Darbietung sehr guter Hooks - und zu meiner großen Freude auch etlicher Patzer.
- Die Zündschnur in Brand setzen
Anhand von Beispielen aus Actionfilmen erklärt Frey, wie man spannende - ach was: atemberaubende - Szenen gestalten kann.
3. Von Schwächlingen und Verrückten: Unvergessliche Figuren schaffen
- Schwächlinge
Eigentlich handelt es sich gar nicht um Figuren, die wir als "schwach" bezeichnen würden (im psychodingendsda Sinn). Sondern um "blockierte" Figuren, die eine Geschichte nicht vorantreiben können. Entweder weil sie sich nicht entscheiden (können) oder auch aus äußeren Gründen gehindert / gehandikapt sind. Es sind also keine dynamischen, entwicklungsfähigen Figuren, sondern Schema-Fs.
- Figuren, die es kennenzulernen lohnt
Schon in Band I riet Frey, sich für die Figuren Biografien anzulegen (was ich ebenfalls nur empfehlen kann, selbst wenn die Geschichte noch so kurz ist). Hier finden Sie die Punkte, die Ihre Charaktere unvergesslich machen können. Beispielhaft seien erwähnt: ein verrückter Spleen, ein ausgefallener Beruf, Vermeidung von Klischees. Und Recherche, Recherche, Recherche.
- Figuren und Kompetenz
Mein Lieblingsbeispiel in diesem Abschnitt:
"Carries Mutter, in Stephen Kings Carrie, brilliert als religiöse Fanatikerin."
Eine Figur muss das, was sie nach dem Willen des Autors tun soll, hervorragen machen. Im Zweifel eben als Fanatikerin.
- Der verrückte Touch
Leser lieben die verrückten, übertriebenen, extravaganten Typen. Wenn ich sage: Scarlett O'Hara und Rhett Butler ... alles klar?
- Figuren im Kontrast zur Umgebung
Beispiel (meins, weicht also vom Buch ab): "Crocodile Dundee". Die Story bringt auf den Punkt, was Frey meint.
- Die beherrschenden Leidenschaften
Hier geht es um die zentrale Triebkraft: Der Wille, reich zu werden. Der Wille (s.o.), Gott in aller Hingabe zu dienen (sorry, aber ich bin absoluter Carrie-Fan, wenn ich das an dieser Stelle einmal einfließen lassen darf).
- Gespaltene Figuren
Ein kurzer Ausflug in die Transaktionsanalyse von Berne und Harris - und mit ein bisschen Übung entsteht ein Hannibal Lector.
4. Prämissen für Fortgeschrittene.
Es heißt, eine Prämisse ist der Satz, in den sich eine Geschichte / ein Roman zusammenfassen lässt. Also mit Freys Worten: Die Hauptaussage oder das Fazit der Geschichte. Bei einer Übung zur Prämisse an anderem Ort habe ich aber feststellen müssen, dass es vielen Schreibern und Kommentatoren genau so geht, wie mir: Die Schlussfolgerung muss nicht zwingend die sein, die der Autor im Sinn hatte.
Wenn ich mich an das vorgegebene Beispiel "Samson und Delilah" halte, kann ich durchaus zu dem Fazit gelangen: Sich mit einer Frau einzulassen, führt zum Tod.
Damit wäre die kausale Kette, die konsequent zum Ende aufbaut, genau so gut benannt, wie mit:
Reue führt zum glorreichen Tod (also, ich würde nie eine Geschichte unter einer solchen Prämisse schreiben - traue mir aber trotzdem zu, mir einen Samson auszudenken)
(Was Frey zu dieser Prämisse letztendlich sagt, bitte ich dort nachzulesen, sonst nehme ich ja die ganze Spannung vorweg)
Vielleicht einigen wir uns darauf: Der Autor sollte in der Lage sein, seine eigene Geschichte in einem kurzen Satz wiederzugeben und es ansonsten dem Leser überlassen, welche Schlussfolgerungen er selbst aus dem Gelesenen ziehen möchte oder kann.
Das Kapitel ist auf jeden Fall interessant zu lesen.
Das gleiche gilt für:
5. Prämissen für Fortgeschrittene
Hier finden sich auch die Romane mit mehreren Prämissen. (bei Romanen mit mehreren Hauptdarstellern)
6. Über Stimmen, oder das "wer", das die Geschichte erzählt
Die Erzählstimme richtet sich auch nach dem gewählten Genre: Ein Sachbuch - über sagen wir mal: Den Aufbau der Justiz in den neuen Bundesländen - werden Sie sicherlich weit weniger emotional, detailreich und lebendig formulieren als zum Beispiel die Geschichte eines Stadtstreichers, der gerade einem kleinen Kind das Leben gerettet hat (Beispiele von mir).
Sie sollen dem Leser vermitteln: Der Erzähler dieser Geschichte weiß ganz genau, wovon er oder sie spricht. (Als Top-Beispiel wieder der Einstieg in "Vom Winde verweht").
Im Grunde handelt es sich bei der starken Erzählstimme um nichts anderes, als die Wahl der richtigen Perspektive (also der Figur, aus deren Sicht alles oder jeweils ein Teil betrachtet und erzählt wird).
Ein starkes Kapitel, dass sich auch mit den Schwächen (und Stärken) der "allmächtigen" Erzählweise beschäftigt , dem satirischen Ton, der gefühlvollen Schilderung oder dem beiläufigen Plauderton.
- Pseudoregeln über die erste und die dritte Person und andere Mythen
Wie anfangs schon erwähnt, hat Frey mit den Lehrern des US-amerikanischen Creativ-Writing ein paar Hühner zu rupfen. Hier fliegen die Federn.
- Das Muskelspiel des Autors: Entwickeln Sie Ihre Stimme
Frey rät, seine Texte in verschiedenen Erzählstimmen zu schreiben und die stärkste herauszusuchen. Der Wechsel in die Ich-Stimme muss keineswegs stärker sein, als die Sicht der "3. Person".
7. Der Vertrag zwischen Autor und Leser oder versprechen Sie keine Schlüsselblume und liefern dann nur eine saure Gurke
Zwischen Autor und Leser besteht quasi ein Vertragsverhältnis: Der Autor bietet ein Produkt, das der Leser nach den ihm gegebenen Orientierungshilfen erwirbt. Er will also exakt das haben, was er gesehen und bezahlt hat. Kurz gesagt: Wenn der Leser einen Krimi kauft, will er keine Lovestory aus dem Lore-Roman.
8. Die Sieben Todsünden
Was ein Autor alles anstellen kann, um garantiert niemals in den Genuss einer Veröffentlichung zu kommen.
Ich bekenne mich zu Nr. 7. Wer wissen will, welche das ist, lese das Buch ...
9. Schreiben mit Leidenschaft
Warum der Autor am Ende doch noch eine Erfolgsgarantie gibt.
Der Autor:
James N. Frey ist lt. Klappentext Band 2 Autor von neun Romanen und unterrichtet nach wie vor kreatives Schreiben an der University of California.
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Katzenauge - 12. Feb, 12:53







