Paolini, Christopher: Eragon
Darf man eigentlich ein Buch, das alle Welt in den allerhöchsten Literaturhimmel lobt, noch blöd finden? Und das dann auch noch offen sagen?
Nun, wenn nicht, dann ist es jetzt ohnehin zu spät, denn hiermit sei festgehalten: Eragon ist meiner Meinung nach das Buch, das am wenigsten zum Chartbreaker hätte werden dürfen.
Die Geschichte handelt – bekanntermaßen – vom einem werdenden Drachenreiter, seinem Drachen (ein äußerst liebenswertes Viech, unbestritten) und einer Queste, die nicht weniger erfordert als den Sturz eines magiebewehrten Königs, der selbst einmal ein Drachenreiter war und dem Wahnsinn anheim fiel.
Streckenweise nett und ideenreich, ist das Buch dennoch ein Abklatsch nur allzu bekannter Motive:
Gil’ead? Hatten wir bei Tolkien. Und bei King in der Schwarzen-Turm-Reihe.
Drachen? Been there, done that.
Drachenreiter? Been there, done that (redundant, ich weiß, aber das ist nun mal so).
Die Figuren entspringen dem Tolkienschen Szenario und sind teilweise nicht mal geschickt kaschiert: Auch wenn Gandalf Brom heißt, so bleibt sein Ursprung nicht lange verborgen. Der junge Eragorn hat einen vermutbaren Namensvetter in dem guten Aragon, die Ra’zac haben verdächtige Ähnlichkeit mit den Schwarzen Reitern und wer schon einmal unter dem stinkenden Atem eines Uruk’hai gelitten hat, dürfte auch die Urgals nicht ganz unbekannt finden.
Natürlich ist es toll, dass das Buch von einem 15-jährigen geschrieben wurde. Dass es in dem Alter schwer ist, schon eine eigenständige, unabhängige Fantasy zu entwickeln, zu schreiben und glaubhaft bis zum Ende durchzuziehen, sollte auf der Hand liegen. Mit Blick darauf ist es sogar erstaunlich, dass ich zu dem Urteil „Schulaufsatz“ nur an ganz, ganz wenigen Stellen komme – nämlich in der Regel dort, wo es heißt: „Schnell erzählte er Saphira (=dem Drachen), was geschehen war“. Das Stilmittel wird ein wenig zu oft eingesetzt. Aber, wie gesagt: Für einen so jungen Menschen ist das schon eine tolle Leistung.
Trotzdem gibt der Werdegang des Buches zu denken. Es erschien nämlich keineswegs 2003 als amerikanische Originalausgabe bei Alfred A. Knopf, New York. Im Gegenteil: Der Autor selbst erklärt in seiner Danksagung am Ende des Buches, dass es Anfang 2002 im Verlag seiner Eltern erschienen sei und widerspricht damit den (üblichen) Angaben des Verlages vorne. Es mag ja sein, dass das Werk so gnadenlos gut war, dass ein anderer Verlag es in sein Portefeuille nehmen musste – dennoch vermute ich mal, dass diese in weiten Teilen sehr beliebige Geschichte nur dank geschickter Marketingstrategien gehypt werden konnte.
Also, liebe A(nfängera)utorInnen: Wie wär’s mit einem Versuch? Sie brauchen nur die richtige Strategie ...
(Nachtrag am 13.11.2006)
a) Tippfehler ausgemerzt
b) Grammatik korrigiert
c) Neues über den amerikanischen Copyright-Vermerk gelernt: Es ist tatsächlich korrekt, ein "altes" Buch mit dem (c) des Erscheinungsjahres in dem betreffenden Verlag anzugeben, solange die AutorInnen nicht bereits zum Zeitpunkt der Fertigstellung die copyright protection angemeldet hatten. Aha. Interessant und irreführend.
Nun, wenn nicht, dann ist es jetzt ohnehin zu spät, denn hiermit sei festgehalten: Eragon ist meiner Meinung nach das Buch, das am wenigsten zum Chartbreaker hätte werden dürfen.
Die Geschichte handelt – bekanntermaßen – vom einem werdenden Drachenreiter, seinem Drachen (ein äußerst liebenswertes Viech, unbestritten) und einer Queste, die nicht weniger erfordert als den Sturz eines magiebewehrten Königs, der selbst einmal ein Drachenreiter war und dem Wahnsinn anheim fiel.
Streckenweise nett und ideenreich, ist das Buch dennoch ein Abklatsch nur allzu bekannter Motive:
Gil’ead? Hatten wir bei Tolkien. Und bei King in der Schwarzen-Turm-Reihe.
Drachen? Been there, done that.
Drachenreiter? Been there, done that (redundant, ich weiß, aber das ist nun mal so).
Die Figuren entspringen dem Tolkienschen Szenario und sind teilweise nicht mal geschickt kaschiert: Auch wenn Gandalf Brom heißt, so bleibt sein Ursprung nicht lange verborgen. Der junge Eragorn hat einen vermutbaren Namensvetter in dem guten Aragon, die Ra’zac haben verdächtige Ähnlichkeit mit den Schwarzen Reitern und wer schon einmal unter dem stinkenden Atem eines Uruk’hai gelitten hat, dürfte auch die Urgals nicht ganz unbekannt finden.
Natürlich ist es toll, dass das Buch von einem 15-jährigen geschrieben wurde. Dass es in dem Alter schwer ist, schon eine eigenständige, unabhängige Fantasy zu entwickeln, zu schreiben und glaubhaft bis zum Ende durchzuziehen, sollte auf der Hand liegen. Mit Blick darauf ist es sogar erstaunlich, dass ich zu dem Urteil „Schulaufsatz“ nur an ganz, ganz wenigen Stellen komme – nämlich in der Regel dort, wo es heißt: „Schnell erzählte er Saphira (=dem Drachen), was geschehen war“. Das Stilmittel wird ein wenig zu oft eingesetzt. Aber, wie gesagt: Für einen so jungen Menschen ist das schon eine tolle Leistung.
Trotzdem gibt der Werdegang des Buches zu denken. Es erschien nämlich keineswegs 2003 als amerikanische Originalausgabe bei Alfred A. Knopf, New York. Im Gegenteil: Der Autor selbst erklärt in seiner Danksagung am Ende des Buches, dass es Anfang 2002 im Verlag seiner Eltern erschienen sei und widerspricht damit den (üblichen) Angaben des Verlages vorne. Es mag ja sein, dass das Werk so gnadenlos gut war, dass ein anderer Verlag es in sein Portefeuille nehmen musste – dennoch vermute ich mal, dass diese in weiten Teilen sehr beliebige Geschichte nur dank geschickter Marketingstrategien gehypt werden konnte.
Also, liebe A(nfängera)utorInnen: Wie wär’s mit einem Versuch? Sie brauchen nur die richtige Strategie ...
(Nachtrag am 13.11.2006)
a) Tippfehler ausgemerzt
b) Grammatik korrigiert
c) Neues über den amerikanischen Copyright-Vermerk gelernt: Es ist tatsächlich korrekt, ein "altes" Buch mit dem (c) des Erscheinungsjahres in dem betreffenden Verlag anzugeben, solange die AutorInnen nicht bereits zum Zeitpunkt der Fertigstellung die copyright protection angemeldet hatten. Aha. Interessant und irreführend.
Katzenauge - 8. Okt, 23:01







